Sonntag, 13. Mai 2012

Tag 10: Von Prescott (AZ) nach Needles (CA)


Nach einem für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich gutem Frühstück begaben wir uns nach Seligman. Dieser Ort sollte unser Ausgangspunkt für unsere heutige Route 66 – Erkundung sein. 

Die Route 66 war früher die Hauptverkehrsroute von Chicago nach Los Angeles. Doch durch das steigende Verkehrsaufkommen wurde der Bau größerer Straße erforderlich. Diese Straßen folgten dem Verlauf der Route 66 jedoch nur bedingt. Manchen Orten, die vom Durchgangsverkehr lebten, wurde quasi von heute auf morgen die Existenzgrundlage entzogen. Viele dieser Orte überlebten den Wandel nicht und verkamen zu Ghost Towns. 

Die Brüder Delgadillo Versuchten in Seligman jedoch mit Erfolg, sich diesem Wandel zu widersetzen. Noch heute existieren der familenbetriebene Souvenirladen und der weltbekannte Snow Cap, in dem man z.B. "Cheeseburger with Cheese" bestellen kann. Natürlich suchten wir diese beiden Orte auf. 

Im Souvenirladen haben wir unseren US-Kennzeichen Bestand aufgestockt. Hier unsere Ausbeute:




Der Snow Cap ist für seine Späße mit den Gästen bekannt. So hat eine Asiatin, die eine kleine Eistüte bestellte, eine etwa fingerhutgroße Waffel mit Eis erhalten. Hierfür sollte sie dann $ 2 berappen. Ihr verwirrter Blick brachte alle um sie herum zum Lachen. Natürlich war das nur Spaß und sie hat ihre „richtige“ Eistüte erhalten. Nach Abschluss unserer Bestellung wurden wir gefragt, ob wir Senf haben wollten. Zeitgleich wurde bereits eine Senftube auf uns gerichtet, aus der Senf auf uns gespritzt wurde. Vermeintlich. Was man im ersten Moment als Senf identifiziert hat, war nur ein Faden.  Aber für eine Schrecksekunde und zur Erheiterung der Gemüter hat es gereicht. 



Im Garten des Snow Cap standen einige alte Autos, die als Vorbild für den Trickfilm „Cars“ dienten.



Was für ein toller Ort!

Der weitere Weg über die Route 66 führte uns nach Hackberry, wo wir in einer Art Museum alte Autos (bzw. deren Überreste), die den Charme der Straße ausmachten, bewundern konnten. Auch diverse alte Zapfsäulen waren ausgestellt.




A propos alt, unser nächster Stopp führte uns zum Airport Kingman. Aufgrund des trockenen Wüstenklimas werden dort alte bzw. nicht mehr benötigte Flugzeuge abgestellt. Ein richtiger Flugzeugfriedhof für ca. 100 Flugzeuge aus aller Welt.




Weiter ging es nach Oatman. Die bisher scheinbar unendlich langen Geradeausstrecken wichen einem kurvenreichen Anstieg. Kurz vor Oatman begrüßten uns bereits die ersten „Burros“, die von ehemaligen Goldgräbern zurückgelassenen und mittlerweile wild lebenden Esel. Sie sind eine der Touristenattraktionen des sehr kleinen Ortes. Wir bummelten die „Hauptstraße“ auf und ab und ließen die Atmosphäre auf uns wirken.








Vom mittlerweile recht heißen Wetter etwas geschafft, machten wir uns auf den Weg nach Needles. Dabei verließen wir Arizona und sind nun für wenige Stunden in Kalifornien, bevor wir morgen nach Nevada weiter reisen.


Gefahrene Strecke: 240 mls / 386 km
Wetter:  Wieder Sonne pur, 25-37°C


Samstag, 12. Mai 2012

Tag 9: Von Grand Canyon Village (AZ) nach Prescott (AZ)


Ring ring, ring ring, … 

Was stört unseren Schönheitsschlaf so früh??? Ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist 05:00 Uhr morgens. Ach ja, wir sind ja am Grand Canyon! Nun aber flott, die Sonne geht gleich auf! Schnell die Haare gebürstet und etwas übergezogen, die Kamera geschnappt und ein nettes Plätzchen am Canyonrand gesucht, von wo aus wir die ersten Sonnenstrahlen des Tages begrüßen konnten. Aus der grauen Masse wurde ganz langsam wieder eine Naturschönheit.






Zurück in unserer Cabin waren wir ganz schön durchgefroren, denn es war morgens noch verdammt kalt. Das sollte sich im Laufe des Tages jedoch ziemlich ändern. Da wir ja bereits so früh aus den Federn gehüpft sind, haben wir den Grand Canyon bereits um 07:30 Uhr Richtung Süden verlassen. Auf dem Weg Richtung Sedona machten wir am Kendrick Park, einem Rundwanderweg zur Beobachtung von Tieren, Halt. Highlight war ein Streit zwischen zwei Streifenhörnchen, die uns sehr an Chip und Chap erinnerten. Hier ist zumindest einer der beiden:

 

Kurz vor Sedona durchquerten wir den Oak Creek Canyon.







In Sedona spazierten wir die „Haupteinkaufsstraße“ auf und ab. An sich ist Sedona ein schöner Ort, der uns allerdings etwas zu sehr touristisch ausgerichtet war. 





In der Nähe von Sedona gibt es eine Gesteinsformation, die wie Snoopy aussieht, der gerade auf dem Rücken liegt. Um diesen Ort zu erreichen, hätten wir allerdings ein Stück wandern müssen. Aufgrund der Mittagshitze haben wir uns gegen den Marsch und somit gegen eine Besichtigung des Rocks entschieden.
Wir fuhren mit einer Rundfahrt über die Red Rock Loop Road, von welcher man fantastische Ausblicke auf die Natur hat, fort. Doch was war das? 




Der Snoopy Rock (er heißt tatsächlich so) zeigte sich uns zufällig ganz ohne Wanderung. Mal wieder Glück gehabt! :-)

Die weitere Fahrt führte uns durch das Örtchen Jerome , welches ebenso gut am Mittelmeer hätte liegen können. Die Straßen waren eng und steil, was der Lange am Hang zu verdanken ist. Aus werbetechnischen Gründen wurde sie mal als „Ghosttown“ deklariert, ausgestorben ist sie allerdings längst nicht.

Wenig später erreichten wir Prescott, das Ziel unserer heutigen Etappe, wo wir uns im Hotel zunächst eine Pause im Jacuzzi gönnten.  

Anschließend besuchten wir die Innenstadt mit der berühmten Whiskey Row. Vor wenigen Tagen haben wir im Fernsehen gesehen, dass es dort leider gebrannt hat. Die Spuren waren auch heute noch sichtbar. Zum Glück konnte das Feuer recht schnell gelöscht werden, sodass „nur“ wenige Geschäfte betroffen waren. Zu unserer Überraschung –und übrigens völlig USA-untypisch- schließen die meisten Geschäfte in der Whiskey Row bereits um 17:00 Uhr. Somit war unser Bummel schneller als vermutet beendet. 





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gefahrene Strecke: 198 mls / 319 km
Wetter: Sonne pur, 26-31°C

Tag 8: Von Page (AZ) nach Grand Canyon Village (AZ)


Nach einem Einkauf im Safeway begaben wir uns auf die relativ kurze Fahrt zum Grand Canyon. Die Tore des Nationalparks haben wir bereits vor 12:00 Uhr erreicht. An einem der unzähligen Viewpoints haben wir Halt gemacht, um unser morgens gekauftes Sandwich mit einem wundervollen Blick auf die Weiten des Grand Canyons zu genießen. Die Sonne strahlte mit voller Kraft und manchmal hatten wir den Eindruck, als würden wir nur auf eine riiiiesige Leinwand schauen, so unwirklich wirkte die Kulisse. 




Weiter ging es durch den Nationalpark Richtung Grand Canyon Village, wo wir eine kleine Holzhütte am Canyonrand gebucht hatten.




Um den Nationalpark zu erkunden bzw. um weitere atemberaubende Blicke auf den Grand Canyon erhaschen zu können, wollten wir das Auto stehen lassen und Fahrräder mieten. Also haben wir den kostenlosen Shuttlebus genommen, der uns zum Visitor Center und der Fahrradverleihstation  brachte. Doch leider hatte der Fahrradverleih in dieser Saison noch nicht geöffnet. Also sind wir dem nett angelegten Wanderweg am Canyonrand über fünf Kilometer zu Fuß gefolgt. Unterwegs gab es einen kleinen Vortrag einer Rangerin, in dem sie über die Entstehung des Grand Canyons berichtete. Der Grand Canyon ist ein relativ junger Canyon, der nur entstehen konnte, da der Colorado River von den Rocky Mountains bis zum Pazifik extreme Höhenunterschiede zurücklegt und  nur so die Kraft hat, das Gestein aus- und wegzuspülen. Der Bau des Glen Caynon Dams (siehe Bericht zu Page) stellte jedoch einen Eingriff in den natürlichen Lauf des Flusses dar. Die Menge des strömenden Wassers wurde kontrolliert, sodass nicht mehr so viel Wasser durch den Colorado River fließt wie vor dem Bau des Glen Canyon Dams.







Kurz bevor wir wieder bei unserer Bright Angel Lodge angelangt sind, richtete sich unsere Aufmerksamkeit auf ein Vogelpaar, welches in der Nähe durch die Luft glitt. Auffällig war die riesige Spannweite der Flüge. Sollten das etwa DIESE Vögel sein? Freundlicherweise haben sie sich auf einem Felsvorsprung in Sichtnähe niedergelassen. Leider hatten wir nur unsere kleine Kamera dabei, aber dennoch sind SIE zu erkennen: Kondore

Und zwar Nr. 33 und Nr. 87. Sie wurden von Nationalparkrangern zur Kontrolle und Überwachung des gefährdeten Bestands nummeriert. Wie wir erfuhren, war das ein Anblick, den man nicht alle Tage erleben kann. Glück gehabt! :-) 




Der Tag neigte sich zwischenzeitlich schon fast dem Ende entgegen. Wir suchten uns ein nettes Plätzchen, von dem man den Sonnenuntergang gut beobachten konnte. Mit den schwindenden Sonnenstrahlen wirkte der Grand Canyon wie ein graues Ungetüm, durch den sich Nebelschwaden zu ziehen schienen. Es war faszinierend, diese Verwandlung zu beobachten!



Doch damit war unser Tag noch nicht zu Ende: Da es rund im den Grand Canyon keine großen Städte gibt, gibt es quasi keine Lichtverschmutzung. Einen solchen Sternenhimmel haben wir noch nie gesehen! Überall leuchtende und funkelnde Sterne! Sogar die Milchstraße kann mit bloßem Auge beobachtet werden.  

Damit ging leider schon wieder ein weiterer, wundervoller Tag zu Ende.

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gefahrene Strecke: 143 mls / 230 km
Wetter: Sonne pur, 25°C


 

Donnerstag, 10. Mai 2012

Tag 7: Page und Umgebung (AZ und UT)


Den heutigen Tag haben wir in Page und Umgebung verbracht. 

Gegen 10:00 Uhr haben wir den nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt gelegenen Horseshoe Bend aufgesucht. Der Colorado River umrundete ca. 300 Meter unter unseren Füßen das Gestein in einer schwungvollen 270° Windung.

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Goosenecks State Park ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings haben uns hier die unglaublich leuchtenden und harmonierenden Farben beeindruckt. Es ist empfehlenswert, diesen wunderschönen Ort vormittags aufzusuchen, um Gegenlicht zu vermeiden.





Die beste Zeit für einen Besuch unseres nächsten Ausflugsziels ist mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Dann nämlich strahlt die Sonne quasi senkrecht in den schmalen und tiefen Lower Antelope Canyon, der sich nur wenige Autominuten vom Horseshoe Bend  in einem Indianerreservat versteckt hält. In einer von einem Navajo-Indiander geführten Tour (gemeinsam mit zwei Koreanern und acht Chinesen, die allesamt gerne im Bild standen, sowie zwei Schweizern und zwei Italienern, die sehr darauf bedacht waren, niemandem ins Foto zu hüpfen) begaben wir uns Richtung Canyon-Eingang.



Etwas skeptisch, ob wir DA denn wirklich rein gehen konnten und sollten, traten wir kurz darauf in eine surreale Welt. Für uns ist der Lower Antelope Canyon einer der faszinierendsten Orte, die wir je gesehen haben. 


















Als wir nach einer Stunde wieder aus dem Canyon krabbelten, wären wir am liebsten sofort noch einmal hinein gegangen. Wir sind immer noch hin und weg von diesem tollen Ort!

Nach dem Besuch des Lower Antelope Canyon haben wir uns spontan für einen Besuch des Glen Canyon Dams incl. Führung entschieden. Der Glen Canyon Dam, welcher nach einer Bauzeit von drei Jahren und drei Monaten 1963 fertig gestellt wurde, staut den Colorado River zum Lake Powell auf. Wir konnten über die sonst nicht zugängliche Staumauer gehen und die durch das herabströmende Wasser angetriebenen Turbinen im Kraftwerk besichtigen. Innerhalb der Staumauer haben wir mit dem Fahrstuhl eine Höhe zurückgelegt, die 52 Stockwerken entspricht. Hui!






Der Lake Powell dient jedoch nicht nur der Stromgewinnung und Wasserversorgung, sondern auch als Naherholungsgebiet eignet er sich ausgezeichnet. Also hieß es: „Pack die Badehose ein!“ Wir suchten einen weiten Sandstrand auf, wobei wir erneut die Grenze nach Utah überquerten. Das hört sich nach einer weiten Strecke an, da Page aber an der Staatsgrenze liegt, war der Strand direkt um die Ecke. Typisch amerikanisch muss man das Auto jedoch nicht auf irgendeinem Parkplatz abstellen und dann mit Sack und Pack noch kilometerweit durch die Walachei latschen, sondern wir konnten gemütlich bis ans Wasser bzw. bis an unsere präferierte Badestelle vorfahren. :-) 



Nach einem ausgiebigen Sonnenbad verließen wir Utah für diesen Urlaub nun endgültig und freuen uns nun bereits auf unsere morgige Weiterreise. Sie wird etwas sehr Großes für uns bereit halten! :-) 

P.S.: Morgen werden wir wahrscheinlich nicht berichten können, da unser Hotel über keinen Internet-Zugang verfügt. 

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gefahrene Strecke: 67 mls / 108 km
Wetter: Sonne pur, 24-29°C